Interview mit Claudia

Hallo Claudia!

Bitte erzähle von deiner Erfahrung mit gehandicapten Hunden. Wie viele Hunde hast du und welches Handicap ist vorhanden?
Ich habe momentan zwei Handicaps bei mir zu Hause. Rebeca und Amy. Für Rebeca bin ich aktuell die Pflegestelle und Amy gehört seit 2021 zum Rudel.
Beide haben eine Behinderung an den Hinterbeinen. Rebeca fehlt eines der Hinterläufe komplett. Bei Amy ist das Hinterbein noch vorhanden, aber ist nicht mehr mit dem Körper verbunden, es hängt lediglich an Muskeln und Sehnen. Vermutlich wurde sie als Welpe angefahren oder es handelt sich um eine Verletzung nach Gewalt ihr gegenüber. Diese Vermutung liegt näher, da das Bein im Prinzip abgerissen ist. Aber sie empfindet in ihrem Bein keine Schmerzen.

Wie kam es dazu, dass du Amy adoptiert hast?
Amy wurde durch Zufall adoptiert. Sie war zunächst bei einer anderen Pflegestelle, wurde von da vermittelt und aber leider wieder zurückgegeben. Ich bin dann als Pflegestelle eingesprungen. Ich war direkt verliebt, aber da ich bereits drei Hunde zu Hause hatte, wurde Amy wieder vermittelt. Nach drei Wochen wurde sie wieder zu mir zurückgebracht. Sie ist mir dann sofort in den Arm gesprungen, sodass für mich feststand, dass Amy bei mir bleibt. Sie ist nun Rudelmitglied Nummer 4.

Sieht dein Alltag in Bezug auf die Einschränkung anders aus als mit deinen ersten drei Hunden, die unter keinem Handicap leiden?
Der Alltag mit Amy und Rebeca ist nicht anders als mit anderen Hunden. Der einzige Unterschied ist, dass man mit den beiden Hunden beispielsweise keine langen Radtouren machen kann. Man muss auf eine angemessene Belastung achten, sodass sie sich nicht übernehmen. Wichtig ist, dass die Rückenmuskulatur ausreichend aufgebaut ist und weich durch Massage bleibt, sodass keine Verhärtungen der Muskeln entstehen.
Von Bedeutung ist auch, dass die Hunde Normalgewicht haben, um eine unnötige zusätzliche Belastung des Körpers zu vermeiden. Aber davon abgesehen, fressen sie das gleiche Futter und spielen genauso, wie ihre uneingeschränkten, tierischen Gesellen auch. Auf den ersten Blick fällt es nicht auf, dass ich Amy und Rebeca nicht vier gesunde Beine haben.

Was tust du, um deine Hündin Amy gesundheitlich zu unterstützen?
Als ich Amy aufgenommen habe, hatte sie eine schiefe Körperhaltung, da sie sich aufgrund ihres Beines nicht ausreichend bewegt und nur gelegen hat. Ihr fehlte die notwendige Muskulatur, um eine gesunde Körperhaltung einnehmen zu können. Deshalb wurde von mir zunächst zum sehr langsamen Gehen an der kurzen Leine aufgefordert, sodass sie sich bewegen musste. Das Gassigehen wurde zeitlich immer weiter gesteigert. Anfangs lief sie nur mit ihren drei gesunden Beinen benutzt und später dann auch das vierte Bein beim Gehen benutzt. Zur weiteren Unterstützung war ich mit ihr bei der Physiotherapie und so kam es, dass Amy eine Wassertherapie hatte. Auf diesem Weg konnte sie beim Gehen im Wasser ihre Muskulatur schonend aufbauen und weiter stärken. Insgesamt hatte Amy circa zehn Anwendungen bei der Physiotherapie. Die Physiotherapeutin Anja Mohr hat mir gezeigt, wie ich Amy massieren kann und seitdem massiere ich sie jeden Abend.

Würdest du sagen, dass ein Hund mit einer Behinderung mehr Aufwand bedeutet?
Ein klares Nein von mir. Ein Hund mit Behinderung erfordert nicht mehr Aufmerksamkeit, Geduld oder Arbeit. Es ist ein absolut normaler Hund, der im Allgemeinen selbst überhaupt keine Probleme mit der Behinderung hat. Ich hatte neben Amy und Rebeca auch bereits einen blinden Hund namens Felix zur Pflege. Natürlich muss man einen erblindeten Hund vor Gefahren schützen, aber davon abgesehen, macht es insgesamt keinen Unterschied.
Meistens ist es das Umfeld, das einen Unterschied macht. Man muss sich jedoch darauf einstellen, dass man beim Gassigehen auf die Behinderung des Hundes angesprochen wird und beispielsweise davon ausgegangen wird, dass der Hund leidet oder empört gefragt wird, ob bisher nicht aufgefallen sei, dass der Hund humpele. Viele sind mit dem Umgang von Handicap-Hunden einfach nicht vertraut.

Würdest du dich wieder für einen Hund mit Handicap entscheiden?
Ein eindeutiges Ja! Diese Hunde sind einfach unfassbar dankbar! Sie haben Spaß am Leben, möchten etwas erleben und glücklich sein. Sie sind nicht krank, sondern einfach nur etwas anders.

Vielen Dank für diesen Einblick in deinen Hundealltag!

Wer gerne mehr über den Alltag von Claudia und ihren tierischen Begleitern erfahren möchte, kann gerne Claudias Instagram Account „ringelrutenbande“ besuchen.
Wer sich für weitere Informationen über Tierphysiotherapie interessiert, kann gerne die Internetseite von Tierphysiotherapeutin Anja Mohr www.tierakupunktur-mohr.de besuchen. ​​​