Tier in Not – Was kann ich tun?

Es ist leider keine Seltenheit, dass wir unterwegs an den Straßenrändern Tiere liegen sehen – Tiere, die in Not sind. Oft wurden sie angefahren und liegen gelassen, manche Autofahrer*innen halten auch mal an und legen das Tier wenigstens noch auf die Seite, andere wiederum fahren eiskalt weiter. Bei vielen hängt es an der Frage: Was kann ich tun?

Frau am Straßenrand vor Hund kniend - Tier in Not

 

Was ist die Wahrheit?

Zur Wahrheit gehört leider auch, dass nicht jedes Tier, was angefahren wird, gleich tot ist. Manche haben „nur“ einen Bruch, sterben jedoch in Folge nichtgeleisteter Hilfe, da sie sich je nach Verletzung vor Schmerzen nicht mehr bewegen können. Neben diesem alltäglichen Leid auf unseren Straßen, leiden Tiere auch abseits davon. Und traurigerweise oft dort, wo man es
eigentlich weniger erwartet – in ihrem Zuhause.
Ob Hund oder Katze, nicht allen Haustieren geht es in ihrem Zuhause gut. Und die Gründe hierfür sind vielfältig:
Die Besitzer*innen haben nicht genug Zeit, nicht genug Geld für die tierärztliche Grundversorgung ihres Tieres, oder sie sind aus gesundheitlichen Gründen nicht (mehr) fit genug dem Tier artengerecht zu werden. Neben dieser Auflistung gibt es auch die ungeschönte Wahrheit: Sie lassen ihr Haustier bewusst leiden.

Handlungsmöglichkeiten

Wir sehen Tiere in Not: Nun stellt sich dabei eine Frage: Was kann ich tun? Wie kann ich dem Tier helfen, es gegebenenfalls sogar retten?
Rat Nummer eins lautet auf jeden fall: Schau nicht weg und bewahre Ruhe. Ja, manchmal kostet es Überwindung und oftmals ist man in einer akuten Situation auch total überfordert, aber jedes Tier, was durch ein Hingucken weiterleben darf, wird dir im Herzen dankbar sein. Um die Situationen etwas zu differenzieren, haben wir zusammengefasst, wie du einem Tier in verschiedenen akuten Notsituation helfen kannst.

Tier in Not: Lebloser Hund am Straßenrand

Tier in Not: Hilfe für ein angefahrenes/ aufgefundenes verletztes Tier

Unabhängig der Tierart und der Ursache ist es wichtig, auch dich in Sicherheit zu bringen. Solltest du das Tier auf der Straße oder an einem Straßenrand finden, gilt: Setze immer einen Warnblinker, ziehe eine Warnweste an und sichere die Unfallstelle mit einem Warndreieck ab.

1.1. Katze / Hund:

1. Unabhängig davon, ob du oder eine andere Person das Tier angefahren hat, ist es wichtig, immer die 110 zu wählen. Damit wird der Unfall offiziell gemeldet. Oftmals kann die Polizei bereits einen Tierarzt oder eine Tierrettung kontaktieren. Eine nicht geleistete Hilfe kann im Nachgang zu Bußgeldern bis hin zu Strafanzeigen führen.

2. Halte eine Decke, Jacke, o.ä. bereit und gehe damit vorsichtig auf das Tier zu.

3. Sollte das Tier bei Bewusstsein sein, kannst du versuchen, es an den Straßenrand zu legen, damit das Tier und du außer Gefahr des Straßenverkehrs sind. Hierfür packst du es am besten mit einer Hand in den Nacken, mit der zweiten Hand unter das Tier, sodass Abwehrreaktionen wie z.B. Beißen vermieden werden können. Wichtig: Packe das Tier möglichst mit einer Decke oder Handschuhen, um dich zu schützen.

4. Wenn das Tier nicht mehr auf der Straße liegt, kannst du es zudecken. Siehe jedoch nach, ob das Tier akute Verletzungen wie Blutungen hat. Solltest du eine offene Verletzung finden, kannst du versuchen, diese mit Kompressen / Verbänden es zu versorgen.

5. Sollte das Tier nicht mehr bei Bewusstsein sein, gibt es eine sogenannte ABC-Regel:

  • A = Airway, schaue hierfür ins Maul, ob eventuelle Fremdkörper die Atmung verhindern. Lege dafür die Zunge auf Seite und entferne den Fremdkörper.
  • B = Breathing, das Tier atmet nicht mehr? Dann ist hier die Mund-zu-Nase-Technik angebracht. Dafür ziehst du vorher die Zunge des Tieres nach außen, schließt das Maul, hältst diesen mit deiner Hand zu und legst zu deinem Schutz ein Tuch drüber. Nun kannst du das Tier über die Nase leicht beatmen. Das Atmungsvolumen eines Tieres ist geringer als das eines Menschen. Demnach passe hierbei bitte deine Atmung an.
  • C = Circulation, du hörst oder fühlst keinen Herzschlag mehr? Dann führe auf jeden Fall, wie bei Menschen, eine Herzdruckmassage durch. Hierfür kannst du bei Katzen und Hunden eine Hand nutzen. Wenn der Hund größer ist, dann lege ihn zur Seite und nutze beide Hände. Bei kleineren Tieren, wie ggf. Kitten oder Welpen, reicht auch meist schon der Daumen aus. Bei dieser Herzdruckmassage werden 60-80 Kompressionen pro Minute auf dem Brustkorb durchgeführt. Du kannst auch hier nach 30 Kompressionen die Mund-Nase-Technik für zwei Stöße anwenden. Solltest du dir allerdings nicht die Mund-Nase-Technik zutrauen, dann führe auf jeden Fall eine Herzdruckmassage durch!

6. Eine Abklärung bei einer tierärztlichen Praxis oder Klinik ist erforderlich! Auch, wenn das Tier auf dich einen fitten Eindruck macht. Oftmals erleben sie innere Verletzungen, wie Rupturen oder Blutungen, die zu einer lebensbedrohlichen Gefahr für das Tier werden können. Hierfür kannst du eine Decke o.ä. nutzen, um das Tier einzupacken. Am besten ist es, das Tier in einer Art Kiste zu transportieren.

1.2. Wildtiere:

1. Solltest du einen Wildtier-Unfall selbst verursacht haben oder das Tier noch Mitten auf der Straße liegen, melde den Unfall auf jeden Fall immer direkt bei der Polizei. Die Unfallstelle muss abgesichert werden und das Tier kann auf der Straße liegend eine Gefahr für weitere Unfälle sein! Neben der Polizei erfährst du auch über den Tierschutzverein, der in deiner Umgebung aktiv ist, Anweisungen zum weiteren Vorgehen. Da Wildtiere meldepflichtig sind, wird meist der Förster informiert. Eine eigene Aktion, indem man sich das Tier ohne weitere Erlaubnis in sein Auto lädt, ist verboten.

2. Beobachte zunächst, ob das Tier alleine unterwegs war, oder gegebenenfalls noch ein weiteres Tier zur Stelle kommt. Besonders bei Jungtieren, wie z.B. einem Rehkitz oder Frischling, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie nicht alleine unterwegs sind.

3. Sollte kein weiteres Tier hinzukommen, halte weiterhin Abstand zum Tier und fasse es auf keinen Fall an. Wildtiere können panisch werden, sich wehren und dich verletzen.

4. Sollte in den nächsten 30 Minuten nach deiner Meldung niemand gekommen sein, rufe bitte wieder beim Tierschutzverein/ bei der Polizei an. Das Tier soll schnellstmöglich Hilfe bekommen.

Katzen im Käfig

2. Tier in Not: Nicht artgerechte Haltung von (Haus-)tieren

1. Versuche, auch wenn es schwer fällt, die Ruhe zu bewahren. Wichtig ist es, um Nachweise/ Beweise zu haben, alles zu dokumentieren. Schreibe dir auf, was du wann und wo beobachtest. Darunter gehören Notizen wie:
Tierart, Anzahl der Tiere, die Art der Missstände, Anzahl der beteiligten Personen, Anschrift des Tatortes

2. Solltest du die Personen kennen, kannst du auch zunächst das Gespräch zu den Besitzer*innen suchen und auf den Missstand aufmerksam machen. Eventuell erfährst du, weshalb das Tier leidet. Sollte der/ die Besitzer*in z.B. aufgrund einer Erkrankung oder finanzieller Einschränkungen sich nicht sorgfältig um das Tier kümmern können, kannst du eventuell gemeinsam eine Lösung finden. Hierfür kannst du auch gerne den Tierschutzverein in der Umgebung kontaktieren und um Hilfe beten.

3. Sollte es sich jedoch offensichtlich um eine Misshandlung handeln, sprich, das Tier wird ggf. geschlagen o.ä., melde es auf jeden Fall direkt beim Veterinäramt. Auch eine Strafanzeige bei der Polizei ist bei akuter Not sinnvoll.

4. Um Nachweise zu haben, helfen natürlich auch Fotos und Videos. Auch eventuelle Zeug*innen, wie zB. Nachbar*innen kannst du darauf aufmerksam machen und nach
Unterstützung fragen.

Wichtig:
Nicht immer passiert direkt etwas. Leider gehören oftmals Ausdauer und Geduld dazu, bis wirklich etwas passiert und eingegriffen wird. Solltest du vom Veterinäramt keine Rückmeldung bekommen, lohnt es sich, immer wieder nachzuhaken. In manchen Fällen geht es schnell, in anderen Fällen passiert leider oft lange nichts oder grundsätzlich gar nichts. Auch das gehört noch zur Realität dazu.
Das heißt allerdings nicht, dass du wegschauen sollst. Jeder Einsatz zählt!

 

Du möchtest aktiv im Tierschutz helfen? Dann schau hier vorbei!

 

 

Quellen:
https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/tiernotfaelle/verletztes-wildtier-gefunden
https://www.vier-pfoten.de/unseregeschichten/ratgeber-wildtiere/wildunfaelle-verhindern
https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/tiere/tier-ueberfahren

https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/tiernotfaelle/tierquaelerei-melden
https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/haustiere/tierqualverhindern/was-ist-zu-tun-wenn-man-tierqual-erkannt-hat